Wer „Leezenflow“ bei Grün erreicht, erreicht auch die Ampel bei Grün. Zeigt das System Gelb, kann man sich überlegen, ob ein kleiner Sprint noch lohnt oder ob es klüger ist, schon langsamer zu fahren, um die Standzeit an der roten Ampel zu verkürzen. Bei Rot kann man sich langsam der Fahrradampel nähern, um auch so die Standzeit zu verkürzen.
Ziel des Grüne-Welle-Assistenten ist es, dass Radfahrende flüssiger und damit komfortabler ans Ziel kommen, indem sie mehrere Meter vor der nächsten Straßenkreuzung auf einem LED-Display sehen können, wann die Ampel umschaltet. Hierfür ist der „Leezenflow“ mit der jeweiligen Fahrradampel verbunden und zeigt über einen dynamischen Farbverlauf an, ob Radfahrende die Ampel noch bei Grün erreichen können oder nicht.
Leezenflow nutzt dabei die errechnete Durchschnittsgeschwindigkeit auf Basis der Daten der in Münster durchgeführten Fahrradprojekte „Dein AppGrade“ und „Stadtradeln“. Bei starken Abweichungen von der Durchschnittsgeschwindigkeit (zum Beispiel durch die Verkehrssituation bedingt) kann sich der Flow individuell verändern …
| Standort | Durchschnittsgeschwindigkeit, die für Leezenflow genutzt wird | Entfernung Leezenflow – Fahrradampel |
| Hörstertor (Prototyp) | 17 km/h | 110m |
| Promenade / Zwinger | 16 km/h | 195m |
| Bohlweg / Gartenstraße | 19 km/h | 195m |
| Schillerstraße / Hansaring | 18 km/h | 135m |
| Schloss / Promenade | 18 km/h | 130m |
| Neutor / Promenade | 16 km/h | 115m |
| Neutor / Lazarettstraße | 18 km/h | 70m |
| Steinfurter Straße / Grevener Straße | 18 km/h | 75m |
| Warendorfer Straße / Piusallee | 17 km/h | 105m |
Leezenflow ist ein Smart-City-Projekt
Das Leezenflow-System soll den Radverkehr im Sinne der Mobilitätswende und die digitale Stadtentwicklung voranbringen. Es zeigt, wie aus einer Idee der Bürgerschaft eine Technik mit Freier Software (Open-Source) wird, die den Radverkehr fördert und das Interesse anderer Kommunen weckt.
Die Idee zum „Leezenflow“ stammt aus der Bürgerschaft. Im Münsterhack 2019 wurde ein Prototyp entwickelt und anschließend mithilfe der Stadtverwaltung und finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur umgesetzt. 2021 wurde der erste „Leezenflow“-Prototyp auf Münsters Promenade in Betrieb genommen. Aufgrund einer positiven Evaluation des Systems wurden 2024 im Rahmen des Bundesförderprogramms „Modellprojekte Smart City (MPSC)“ acht weitere Systeme im Stadtgebiet von Münster installiert.
In diesem Zuge wurde u.a. die Anzeige des Leezenflows weiterentwickelt und berücksichtigt nun die Durchschnittsgeschwindigkeiten des Radverkehrs. Begleitend zur Einführung der neuen Visualisierung lässt die Stadt die Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit des Systems untersuchen (Verkehrsbeobachtung und Online-Umfrage). Sollte sich weiterer Optimierungsbedarf herausstellen, wird Leezenflow angepasst. (News vom 27.9.2023).
Smarte Technologie für den Radverkehr
Leezenflow nutzt für die Kommunikation zur Ampel eine von Fachleuten als Vehicle-to-everything (V2X) bezeichnete Technik, die weltweit entwickelt wurde, damit Busse, Rettungsfahrzeuge und Autos Kontakt zur Ampel und weiterer Infrastruktur aufnehmen können. Mit Leezenflow wird diese Technik für den Radverkehr genutzt und die neue Datenübertragung im Live-Betrieb getestet.
Leezenflow ist Freie Software (Open-Source). Das heißt u.a., dass die komplette Bauanleitung des Leezenflows im Internet frei verfügbar ist. Eine Weitergabe und Adaption des Systems ist ausdrücklich erwünscht. Die Verwaltung in Münster profitiert von den Erfahrungen anderer Kommunen und Unternehmen und umgekehrt profitieren andere von den Erkenntnissen und Herausforderungen in Münster. Darüberhinaus erzielen die eingesetzten Steuergelder (von Bund, Land und Kommune) durch den Transfer von Lösungen in andere Kommunen eine größere Wirkung: Statt Wissen bei einzelnen Unternehmen zu privatisieren, können alle auf den (durch Steuergelder finanzierten) Arbeitsergebnissen aufbauen (Public Money, Public Code).
Prototyp an Münsters Promenade
Vom 17. Mai 2021 bis Mitte 2023 wurde der Prototyp Leezenflow an der Kreuzung Hörstertor auf Münsters Promenade getestet. Im Rahmen der Testphase führte das Institut für Verkehrswissenschaften der WWU Münster im Auftrag der Stadt Münster vom 17. Mai bis Mitte Juli 2021 eine wissenschaftliche Evaluation durch. Diese bestand aus einer Online-Bürger-Umfrage, an der 546 Personen teilgenommen haben, sowie Verkehrsbeobachtungen und -messungen vor Ort. Das Ziel der Untersuchung war, Aussagen darüber treffen zu können, inwiefern Leezenflow den Radverkehrsfluss verbessert, die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt und die Radfahrer:innen mit dem Prototypen zufrieden sind.
Die Ergebnisse der Evaluation stehen im Ratsinformationssystem der Stadt zum Download zur Verfügung. Außerdem lassen sich die Rohdaten, die im Zuge der Evaluation erstellt wurden, über den Publikationsserver der Uni Münster herunterladen.
Insgesamt ist das Leezenflow-System positiv bewertet worden, so dass der Hauptausschuss der Stadt Münster im Februar 2022 beschlossen hat, weitere Leezenflow-Systeme vorrangig an den Velorouten und an den zukünftigen Hauptrouten installieren zu lassen. Ende Mai 2024 wurden acht Leezenflow-Systeme mit der neuen Technik in Betrieb genommen, davon drei zusätzliche Geräte an der Promenade und fünf an Velorouten:
______________________________________________________
Medienspiegel Leezenflow (Auswahl)
- Leezenflow auf der Homepage des Ministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Artikel von 2022 und als Smart-City-Lösung
- Leezenflow im plan F Wissensspeicher
- Der Deutsche Städtetag berichtet in im Magazin „Städtetag aktuell“, Ausgabe 5 | 2021 ausführlich über Leezenflow.
- Tagung „kommunal mobil 2022“ vom Umweltbundesamt und difu: Anwendungen.Werkzeuge.Lösungen. – Radverkehr in der Smart City: Leezenflow (ab Minute 29)
- Leezenflow auf MünsterZukunft.de
- Im Flow durch Münster dank „Leezenflow“, Ergebisbericht der Evaluation auf https://www.wiwi.uni-muenster.de
- WDR-Bericht zum Start Leezenflow am 01. Juni 2021
- Westfälische Nachrichten:
- Auf der grünen Welle über die Promenade, 08. September 2020
- Display soll für grüne Welle auf der Promenade sorgen, 26. Mai 2021
- Halbzeit beim Leezenflow, 01. Juni 2021
- Leezenflow soll weiterlaufen, 01.Februar 2022
- Grüne-Welle-Assistent macht Pause, 16. Juni 2023
- Beim Leezenflow stockt es noch, 22.07.2023
- Grüne-Welle-Assistent mit Neuerungen für Radler, 22.09.2023
Wussten Sie schon?
Leezenflow ist Freie Software (Open-Source). Das heißt u.a., dass die komplette Bauanleitung des Leezenflows im Internet frei verfügbar ist. Eine Weitergabe und Adaption des Systems ist ausdrücklich erwünscht.
Gefördert wurde der Prototyp durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Die neuen Leezenflow-Systeme inkl. überarbeiteter Technik sind Teil des Förderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen mit einer Ko-Finanzierung durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.


Ko-Finanzierung der neuen Leezenflow-Systeme durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW
Prototyp Leezenflow-System
